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16.12.2020
Neuartiges Coronavirus SARS-CoV-2
Injektionen mit Thymuspeptiden können vor Ansteckung schützen und die Impfung unterstützen

Weltweit rund 1,7 Millionen Tote! Das ist die vorläufige Schreckensbilanz der derzeitigen Corona-Pandemie. Schutz vor Erkrankung und Hilfe bei der Behandlung einer Infektion durch die neuartigen Coronaviren bietet bislang nur ein funktionierendes, intaktes Immunsystem. Doch dessen Effektivität lässt mit zunehmendem Alter nach. Hier kann es helfen, die Immunaktivität mit der Injektion von Thymuspeptiden deutlich zu steigern.

Was ist der Grund, dass vier von fünf Covid-19-Infektionen mild verlaufen, während die fünfte überaus heftig ausfällt und manchmal sogar tödlich endet? Dieser Frage ging Professor Dr. Janko Nikolich-Zugich von der University of Arizona nach und veröffentlichte die Ergebnisse seiner Forschung in der Zeitschrift "nature immunology"1. Er bezeichnete diese gegensätzliche Reaktion des Immunsystems als "Abenddämmerung der Abwehrkräfte" und meinte damit die so genannte Immunoseneszenz. Diese erklärt der Wissenschaftler mit den altersbedingten Veränderungen des Thymus, welche zur Folge haben, dass der Organismus mit zunehmendem Alter über immer weniger T-Zellen verfügt. Ab der Pubertät produziert der Thymus zehnmal weniger T-Zellen als in der Kindheit, sagt Nikolich-Zugich, im Alter von 40 bis 50 Jahren gibt es noch einen weiteren Rückgang um das Zehnfache2. Professor Nikolich-?ugich: "Wir haben einfach weniger Soldaten, die es mit Angreifern zu tun haben, die wir noch nie zuvor erlebt haben, wie das neue Coronavirus."

Der Schlüssel für ein abwehrstarkes Immunsystem sind vom Thymus produzierte Thymuspeptide. Sie bilden die T-Zellen für ihre speziellen Aufgaben aus. Dazu gehört, dass sie krankmachende Einflüsse erkennen, beseitigen und die Bildung entsprechender, exakt abgestimmter Antikörper anregen. Gleichzeitig kontrollieren sie diese Immunantwort, um zu verhindern, dass in einer überschießenden Reaktion körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Und sie speichern in ihrem Immungedächtnis, wie Krankheitserreger aussehen, damit sie bei einem erneuten Auftreten noch schneller erkannt und beseitigt werden können. Fehlt es an Thymuspeptiden, was mit zunehmendem Alter der Fall ist, geht damit zwangsläufig eine Schwächung der Körperabwehr einher.

Das könnte auch erklären, weshalb Covid-19 gerade bei älteren Patienten so häufig tödlich endet. Es fehlen T-Zellen, welche das neuartige Coronavirus nach dem Eindringen in den Organismus schnell erkennen und sofort angemessene Abwehrmaßnahmen einleiten. Gleichzeitig ist es dieses Defizit an T-Zellen, dass bei fortgeschrittener Infektion eine Entgleisung des Immunsystems nicht mehr abgebremst und ausgeglichen wird, so dass es schließlich zum tödlichen Zytokinsturm aufgrund einer Überreaktion kommt.

Die einzige Möglichkeit, eine mit dem Alter rückgebildete Aktivität des Thymus auszugleichen, sind Injektionen mit Thymuspeptiden (Thymosand®-Peptide). Untersuchungen mit 274 Patienten im Alter zwischen 50 und 80 Jahren zeigten, dass bereits nach drei Wochen Immuntherapie mit Thymuspeptiden die Anzahl von zytotoxischen T-Zellen, die Krankheitserreger wie Viren direkt angreifen, deutlich erhöht war. Es ist davon auszugehen, dass sich diese T-Zellen auch gegen SARS-CoV-2 wenden - entweder direkt oder auch, indem sie die Wirkung einer Impfung verstärken. Die Immunität gegen SARS-CoV-2 wurde bislang überwiegend nach dem Vorliegen von Antikörpern beurteilt, deren Bildung von den B-Zellen ausgeht. Kommt es zu einer Infektion mit SARS-CoV-2 werden binnen weniger Tage Antikörper produziert, welche die Viren angreifen und beseitigen. Doch schon wenige Wochen nach einer überstandenen Infektion lässt die Konzentration der B-Zellen im Blut deutlich nach. Wissenschaftler befürchten deshalb, dass auch die von einer Impfung aufgebaute Immunität rasch wieder abklingt. Aus diesem Grund rücken nun immer mehr die T-Zellen in den Mittelpunkt der Impfforschung. Sie können Coronaviren direkt bekämpfen und gleichzeitig die Ausschüttung weiterer Immunfaktoren zur Beseitigung der Viren anregen. Diese T-Zellen sind auch Jahre nach einer Infektion noch im Blut vorhanden. Untersuchungen an anderen Coronaviren zeigten3, dass auf diese Viren spezialisierte T-Zellen sogar 17 Jahre nach einer Infektion noch wachsam im Blut zirkulierten.

Wichtig jedoch ist, dass überhaupt T-Zellen vorhanden sind, welche die Identifikationsmerkmale von SARS-CoV-2 in Ihrem Immungedächtnis speichern, um bei einer Infektion die Erreger sofort zu erkennen und bekämpfen zu können. Diese Prägung von T-Zellen scheint nach einem Bericht in The Lancet4 tatsächlich mit Impfungen erreicht zu werden. In zwei Studien zeigte sich 14 bis 28 Tage bei mindestens 90 Prozent der Geimpften, dass bei ihnen vorhandene T-Zellen auf Coronaviren reagieren. Injektionen mit Thymuspeptiden (Thymosand®-Peptide), welche die Zahl der T-Zellen erhöhen, können somit dazu beitragen, die Wirksamkeit einer Impfung zu verbessern und das Anhalten der damit erzielten Immunität deutlich zu verlängern. Gleichermaßen - insbesondere wegen der allgemein aktivierenden und harmonisierenden Wirkung auf das Immunsystem - könnten die Thymuspeptide zur Behandlung von Covid-19-Infektionen eingesetzt werden, da sie nicht nur dazu beitragen, die Viren zu bekämpfen und zu beseitigen, sondern auch dem lebensgefährlichen Zytokinsturm vorzubeugen.




1) Nikolich-Zugich J.: "The twilight of immunity: emerging concepts in aging of the immune system". Nature Immunology volume 19, pages10-19(2018), doi.org/10.1038/s41590-017-0006-x

2) Begley S.: "What explains Covid-19's lethality for the elderly? Scientists look to ?twilight? of the immune system". STAT, March 30, 2020

3) Le Bert N., Tan A. T., Kunasegaran K. et al.: "SARS-CoV-2-specific T cell immunity in cases of COVID-19 and SARS, and uninfected controls." Nature 07/2020. doi 10.1038/s41586-020-2550-z.

4) Bar-Zev N., Moss W. J.: "Encouraging results from phase 1/2 COVID-19 vaccine trials. The Lancet July 20, 2020, doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31611-1

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